Aktion Autofasten

Wort zum Sonntag: ein mutiges Plädoyer für mehr Verbote zum Schutz des Menschen vor sich selbst (bzw. der anderen vor uns)

A propos Sonntag: auch dieses Jahr findet wieder die tolle Aktion Autofasten statt – bei Registrierung gibt’s eine kostenlose Rechtsschutz-, Umwelt- und Haftschutzversicherung vom VCÖ – Mobilität mit Zukunft dazu!
(Von manchen Beobachtern wird der Begriff „Autofasten“ kritisch gesehen, da Fasten mit „Einschränkung“, „Enthaltsamkeit“ und einer zeitlichen Begrenzung assoziiert wird, also Autofahren als Norm, Freiheit und Grenzenlosigkeit dargestellt wird –> Framing)

Und à propos Fahrradanhänger: die werden zwar nicht gefördert, dafür eine Vielzahl von Transporträdern, wie am Donnerstag im Gemeinderat beschlossen wurde – begleitet von interessanten Wortmeldungen.

Kfz-Verkehr nimmt ab

Good news!!

Der Motorisierungsgrad (Pkw/EW) sinkt in allen Bezirken, der Kfz-Verkehr nimmt flächendeckend im gesamten Wiener Gemeindegebiet ab.
Parkraumbewirtschaftung, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und verbilligte Jahreskarte wirken: erstmals gibt es sogar mehr Wiener Linien-Jahreskarten als Pkw.

Die Ergebnisse der alle 5 Jahre durchgeführten Straßenverkehrszählung auf Gemeindestraßen, die in Abb. 1 zusammengefasst sind, sind leider noch immer nicht verfügbar, obwohl eine Veröffentlichung Mitte 2016 geplant war.

Radwege als Parkplätze

Der Moment … wenn du in einem Satz deine völlige Systemunkenntnis offenbarst * und Jahre der (ohnehin halbherzigen) Positionierung als „Mobilitäts“club zunichte machst.

* Radverkehrsplanung im speziellen, aber Verkehrsplanung im Allgemeinen ist Angebotsplanung. Wo nicht die Möglichkeit besteht, objektiv und subjektiv sicher und attraktiv Rad zu fahren, wird auch niemand Radfahren. Dass Radfahren im Winter längst nichts Außergewöhnliches mehr ist, zeigen internationale Vorreiter.

Fahrrad-City-Querung durch die Wipplingerstraße

Die Argumente gegen die geplante neue Fahrrad-City-Querung durch die Wipplingerstraße mittels Radfahren gegen die Einbahn werden immer skurriler.

Stritten sich ÖVP und FPÖ bereits kurz nach Beschluss der Cityquerung darum, wer mehr gegen den Lückenschluss sei und die Anrainer mehr vor Radfahrenden schütze (beide verwenden übrigens fälschlicherweise den Begriff „Radweg“*), schafft die ÖVP nun einen besonderen Spagat:
Der Wegfall von 70 Stellplätzen (wobei auch die Zahlen 42 und 55 kursieren) würde den „anrainenden Unternehmerinnen und Unternehmern massiv schaden“, um im nächsten Satz zu kritisieren, dass dann stattdessen täglich 2.200 Radfahrer (Anm.: und eine entsprechende Anzahl an Brieftaschen) durch die Wipplingerstraße fahren würden.
(Der Verein der Freunde der OTS-Aussendungen von FPÖ-LAbg. Toni Mahdalik hätte übrigens seine Freude mit der ÖVP-Diktion: „Drüberfahr-Politik“, „Schikane in der Verkehrspolitik“, „politische Willkür“, „Anschlag auf die Praterstraße“, „Gefahr für Leib und Leben“, „Parkplatz-Raub“, „Altar der Ideologie“)

Die politische Auseinandersetzung geht inzwischen munter weiter.

Auch der ÖAMTC spricht sich gegen die Öffnung der Einbahn für Radfahrer aus [10], obwohl er inzwischen selbst die Vorzüge des Radfahrens entdeckt hat („keine Staus, weniger Einbahnen, weniger Fahrverbote und flexiblere Haltemöglichkeiten“) und obwohl Radfahren gegen die Einbahn eine nachweislich sichere Art der Radverkehrsführung ist.

* zur Erklärung:
Radwege sind per Definition baulich von der Fahrbahn getrennt.
Erlaubtes Radfahren gegen die Einbahn wird lediglich durch das Zusatzschild „ausg. Radfahrer“ an „Einbahn“- und „Einfahrt verboten“-Schildern sowie durch Bodenmarkierungen kundgetan.

Lobau-Tunnel

Habt ihr’s gestern Früh auch gespürt, die „Erschütterung der Macht“?

Da hat der ÖAMTC eingestanden, dass weder Lobau-Tunnel noch andere neue Straßen die Tangente langfristig entlasten können, und dass Öffi-Ausbau und Fahrgemeinschaften die einzige Lösung sind.

P.S. Wer sagt’s dem Rot-Grünen Verhandlungsteam? Die 2 Milliarden wird man wohl besser einsetzen können.

P.P.S. Erhöhtes Leukämie-Risiko bei Kleinkindern wäre so auch zu vermeiden – Stichwort „Stadtstraße“.

Sperre der Ringstraße

… um wieder einmal die stupide (und falsche) Argumentation des ÖAMTC auffliegen zu lassen:

„Eine Sperre oder Verengung der der Ringstraße auf eine Fahrspur würde weiträumige Staus und zahleiche Umwegkilometer zur Folge haben, so wie dies leidgeprüfte Autofahrer von zahlreichen Ringsperren her kennen. Für die Umwelt würde ein autofreier Wiener Ring also deutlich negative Auswirkungen haben.“

> FALSCH! Straßensperren und -rückbauten von Seoul bis New York zeigen, dass die Staus sogar abnehmen. Die Machbarkeit einer Ringsperre hat auch schon die EURO 2008 in Wien gezeigt. [2]

„Bei einem Querschnitt von 60 Metern werden derzeit nicht einmal 10 Meter für den Fließverkehr verwendet.“

> FALSCH! Vom Flächenbedarf des motorisierten Individualverkehrs am Ring kann sich jeder Volksschüler überzeugen: 3 Fahrspuren auf der Hauptfahrbahn + 1-2 Nebenfahrbahnen x ca. 3,25m … und da sind die bis zu 4 Parkspuren zu je mind. 2m noch gar nicht berücksichtigt.

„Es kann nicht sein, dass eine Minderheit mit viel Tagesfreizeit der Mehrheit, die zur Arbeit fährt, ihren Willen aufzwingt“

> Wir rechnen nach: knapp 800.000 Erwerbstätige in Wien von ca. 1,7 Mio. Einwohnern sind 47%. Und nur 24% der Arbeitswege werden mit dem Pkw zurückgelegt. Somit fahren 11% der Wienerinnen und Wiener mit dem Pkw zur Arbeit. Wer ist da jetzt die Minderheit?

„[..] bedeuten sie [Anm: die vorgestellten Konzepte zur Zukunft der Wiener Ringstraße] in Wahrheit einen massiven Anschlag auf die Bewegungsfreiheit von tausenden Wienerinnen und Wienern.“

> Im Gegenteil: die „Arroganz der Fläche“ [4] der Kfz ist nicht länger zumutbar. Die bis zu 9 Kfz-Spuren (s. Schottenring) bedeuten nämlich einen massiven Anschlag auf die Bewegungsfreiheit der Mehrheit, die nichtmotorisiert unterwegs ist (schön dokumentiert in den beiden Präsentationen).

Fußgängerzonen

Von fragwürdigen (mehr Verkehr in der Kaiserstraße) bis zu höchst dubiosen (mehr Verkehr in der Wiedner Hauptstraße?!?) Befürchtungen ist alles dabei.

In der Praxis läuft es meistens nach folgendem Muster ab:
Ankündigung einer Fußgängerzone – großer (zumindest medialer) Aufschrei – Befürchtung des Weltunterganges – tatsächliche Sperre – (mediale) Verwunderung ob der kaum wahrnehmbaren Auswirkungen auf die Ausweichrouten – breite Akzeptanz (niemand kann sich mehr vorstellen, dass es jemals anders war)

Kurz: Viel Lärm um Nichts!

#mariahilferstraße #mahü #fußgängerzone #fuzo

Social Share Buttons and Icons powered by Ultimatelysocial